Wo war eigentlich das Schottenfeld Kino?

Da, wo man* heute im Schottenfeldcenter einen multifunktionalen und technisch modern ausgestatteten Veranstaltungsraum findet, da befand sich einst das „Schottenfeld Kino“, ein typisches Wiener Grätzelkino, an das sich heute nur noch wenige Menschen erinnern.

Gegründet wurde es 1913, also in der ersten Hochblüte der Wiener Kinogründungen ab 1912. In diesem Jahr wurde auch das Haus selbst an der Ecke zur Lindengasse 65 erbaut: Geplant wurde das zeittypisch gehaltene Miethaus von den Brüdern Karl und Wilhelm Schön, ausführender Architekt war Carl Stepanek. Weniger Monate später eröffneten darin auch schon die „Schottenfelder Lichtspiele“, die einen – für ein „Grätzelkino“ dieser Art typischen – kleinen Veranstaltungsraum für 250 Personen hatten, der auch in den kommenden Jahren einmal mit ein paar (Klapp-)Stühle mehr, mal mit ein paar weniger befüllt wurde und bis zuletzt immer unter der magischen Sitzplatzzahl 300 lag. 1930 wurde auch hier, wie in den meisten Kinos der Stadt, eine Tonfilmanlage eingebaut.
Bis 1938 wurde das Kino von Leo Wald geführt. Wald musste jedoch bald nach dem „Anschluss“ aufgrund seiner jüdischen Herkunft seinen kleinen Neubauer Kinobetrieb an Stefanie Eiles, verwitwete Peschke, abgeben. Er hatte das Glück, noch rechtzeitig in die USA fliehen zu können und überlebte das NS-Regime und die Schoah. Wie viele der Wiener Kinos wurde so auch das Schottenfeld Kino „arisiert“. Es wurde daher im Zuge der ersten Entnazifizierungsphase kurz nach Ende des Krieges von der öffentlichen Verwaltung an einen so genannten „provisorischen Leiter“ übertragen, in diesem Falle an Georg Hackl.
Zeitgleich reichte Wald aus den USA sein Rückstellungsgesuch vor. Dieses wurde erst mit einem „Teilerkenntnis“ von 29. Juni 1948 abgeschlossen, und Hackl wurde in der Folge abberufen. Da dieser jedoch einen Teil seines Privatvermögens in den Wiederaufbau und Betrieb des teilweise zerstörte Bezirkskinos gesteckt hatte, kam es in den kommenden Monaten zu einer langfristigen Verhandlung zwischen ihm und den nun wiederbestellten rechtmäßigen Eigentümer Leo Wald. Im Dezember 1948 wurde das Kino schließlich von Hackl an den „Vertreter des Berechtigten“ übergeben. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Wien-eigene KIBA bereits die Konzession für den Betrieb übernommen …

Das Schottenfeld Kino konnte sich noch 20 Jahre halt, doch 1968 mussten auch die einstigen „Schottenfelder Lichtspiele“ für immer geschlossen werden.

Wer erinnert sich noch an das Kino und erzählt uns über ihre bzw. seine Erlebnisse und Eindrücke? Wir freuen uns über Geschichten und Fotos zur Lerchenfelder Kinogeschichte!

Quellen zur Geschichte des Kinos findet man u. a. im Wiener Stadt- und Landesarchiv:
www.geschichtewiki.wien.gv.at/Schottenfelder_Lichtspiele?uselayout=mobile

Foto: Schottenfeldcenter
www.schottenfeldcenter.at

Beruf und Berufung in der Lerchenfelder Straße: Menschen mit Pioniergeist und Vision erzählen über ihre Motivation, ihre Leidenschaft für die Josefstadt und ihre Überzeugung für Einzelhandel und Serviceleistungen im Achten.

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