HUMANA: Von alter Kleidung zu neuen Chancen

Janine Egger und Beatrice Grasser von HUMANA schätzen die kreative Atmosphäre im Lerchenfeld. Foto: Lebendige Lerchenfelder Straße

Von den 70ern bis Y2K: HUMANA steht für gelebte Nachhaltigkeit und den ständigen Wandel von Mode und Zeitgeist – und fördert zugleich Entwicklungszusammenarbeit sowie soziale Projekte im Globalen Süden.

Was in den 1970er-Jahren in Dänemark mit dem Sammeln und Weiterverkaufen von Kleidung begann, ist heute ein international bekanntes Sozialunternehmen im Second Hand Bereich. Auf der Lerchenfelder Straße ist HUMANA seit 1998 fixer Bestandteil des Viertels – und längst mehr als nur ein Vintage-Shop. Im Interview sprechen Filialleiterin Janine Egger und Unit Managerin Beatrice Grasser über die Geschichte von HUMANA Österreich und wie sich die Nachfrage nach Secondhand-Mode über die Zeit verändert hat.

Im Interview mit Janine Egger und Beatrice Grasser:

Wie kam es zur Gründung von HUMANA?

Beatrice Grasser: Das geht weit zurück. Die Geschichte von HUMANA beginnt schon in den 1970er-Jahren in Dänemark. Damals waren es engagagierte Lehrer:innen, die auf Reisen gesehen haben, wie groß die Ungleichheiten – vor allem im südlichen Afrika – sind. In Zeiten nach dem Kolonialismus und während der Apartheid wollten sie nicht einfach zuschauen, sondern konkret helfen. Ihr Zugang war von Anfang an: Hilfe zur Selbsthilfe, mit Bildung als Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Um die ersten Projekte zu finanzieren, haben sie Kleidung und andere Waren gesammelt, auf Flohmärkten verkauft und den Erlös in Bildungsprojekte in Afrika gesteckt. Daraus ist Schritt für Schritt ein nachhaltiges Konzept entstanden: Entwicklungszusammenarbeit verbunden mit Kreislaufwirtschaft. Heute ist daraus die internationale Bewegung „Humana People to People“ geworden. HUMANA Österreich wurde 1986 in Wien gegründet, sammelt und verkauft ebenfalls Second-Hand-Kleidung und spendet 100% des Gewinns an soziale Projekte im Globalen Süden.

Wie kam es dazu, dass ihr euch die Lerchenfelder Straße so als Standort ausgesucht habt?

Beatrice Grasser: Von 1998 bis 2003 waren wir zuerst in einem anderen Lokal auf der Lerchenfelder Straße. Das Kreative, Vielfältige rund um die Lerchenfelder Straße und die künstlerischen wie auch offenen Menschen, die hier leben, passen einfach so gut zu HUMANAs Identität. 2004 haben wir dann diesen Standort entdeckt und die Kolleg:innen fanden ihn sofort super gut, weil Neubaugasse und Lerchenfelder Straße – das deckt alles ab. Und so kam es, dass es uns schon seit 2004 hier an der Ecke gibt. Ich habe dann vor 18 Jahren als Studentin hier angefangen und war später Filialleiterin, habe Modenschauen und andere Veranstaltungen organisiert. 2018 habe ich dann als Unit Managerin mehrere Filialen dazubekommen und mache auch den Einkauf.

Inwiefern hat sich die Nachfrage und das Sortiment in den letzten Jahren verändert?

Janine Egger: Seit ich hier vor 7 Jahren angefangen habe, hat sich die Nachfrage ziemlich verändert. Der siebte Bezirk ist generell schon ein hipper Bezirk und es kommen viele junge Leute zu uns, die sich vor allem für den Y2K-Style interessieren, also Zweitausender Jahre. Das haben wir entsprechend ins Sortiment aufgenommen.
Beatrice Grasser: Als ich noch Filialleiterin war, da war das alles noch ein bisschen kleiner. Wir waren der erste reine True-Vintage Shop von HUMANA und haben ein viel älteres Publikum gehabt, Stammkundschaft und viele vom Theater. Irgendwann ist eine Trendwende gekommen, dass die Nachfrage nach True Vintage, also dem wirklich Alten, nicht mehr so groß war. Daraufhin haben wir das Sortiment verändert und heute kommen immer mehr Menschen – jung wie alt, Student:innen, Schüler:innen, Tourist:innen – weil nachhaltige Mode sehr gefragt ist.

Was passiert mit den Spenden, die bei euch im Geschäft abgegeben werden?

Janine Egger: Erstmal freut es mich immer wieder, wenn die Leute sich freuen, weil jemand anders sich noch über ihre Stücke freut, die sie nimmer anziehen oder nimmer gebrauchen können. Wir schauen uns dann die Kleidung an und hängen alles, was für diesen Shop geeignet ist, ein. Alles andere wird in andere Shops und in die Zentrale geschickt und die schicken es weiter ins Sortierwerk.

Bei welchem Trend seid ihr froh, dass er zurückgekommen ist und welcher Trend soll bitte nicht mehr kommen?

Janine Egger: Ich finde es sehr cool, dass Y2K gerade so angesagt ist. Ich bin in der Zeit aufgewachsen – als ich ein kleines Mädchen war, waren die Popstars, im pinken Jogginganzug und so, ganz groß. Aber ich finde jeden Style total spannend! Jeder soll sich einfach wohlfühlen – das ist das Wichtigste. Man sollte es einfach fühlen und dann hat man so eine gewisse Ausstrahlung, wenn man so seinen Style gefunden hat.

Beatrice Grasser: Ich finde es auch gut, wenn man sich individuell kleidet – ganz egal aus welcher Epoche das kommt. Ich mag gerne die 60er Jahre. Ich bin in den 80ern, 90ern groß geworden, da waren halt die 60er und 70er Jahre total in und das hat mich sehr geprägt, das fand ich sehr cool. Y2K, also 2000er, ist auch ist gut für die Jungen. Also für jeden ist was dabei.


📍 HUMANA Vintage & Second Hand – Lerchenfelder Str. 45-47, 1070 Wien

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