Unternehmer*innen im Porträt: Jakub Arnold

(Fast) alles nur Zufall

Den Red Wing Shoe Store Vienna gibt es seit 2016 in der Lerchenfelder Straße. Dessen Gründer und Eigentümer, Jakub Arnold, ist ein echter Pionier unter den Neubauer Modeunternehmern der jüngeren Zeit. Seit 25 Jahren in der Moderbranche tätig, hat er in der Lerchenfelder seinen zweiten Shop eröffnet und sich in den vergangenen fünf Jahren einen treuen Kund*innen-Stamm im Lerchenfeld aufgebaut. Wie und warum es ihn hierher gezogen hat, das hat er dem Team der Lebendigen Lerchenfelder Straße bei einem anregenden Gespräch verraten.

Fotos: Berenice Pahl

Der erste Zufall: Mode statt Diplomarbeit

Jakub Arnold wird 1975 in Tschechien geboren. Als er acht Jahre alt ist, zieht die Familie nach Wien, wo Jakub die Volksschule, AHS und Handelsakademie besucht, ehe er beginnt, internationale Betriebswirtschaft zu studieren. Das Studium wäre auch fast fertig, verrät er, es fehlen „nur noch Diplomarbeit und Diplomprüfung“. Doch Jakub Arnold schließt es nicht mehr ab, denn bereits mit 18 Jahren beginnt er, „durch Zufall“ in Form eine Freundes, der ihn dazu animiert, und parallel zum Studium, im Textilbereich zu arbeiten. Mit nur 20 Jahren fängt er bei der Firma Carhartt zu arbeiten an und baut binnen weniger Jahre mit großem Erfolg den Vertrieb des 1889 in Michigan gegründeten US-amerikanischen Bekleidungsherstellers für Österreich und Osteuropa auf. „Damals bin ich noch tiefer in den internationalen Textilhandel eingetaucht als in meinen Studentenjahren und habe auch kennen gelernt, welche Personen und welche Ideen hinter welchen Marken stehen.“

Jakub Arnold entwickelte früh schon ein gutes Gefühl dafür, was ihm gefällt und wo er, wie er sagt, „dahinter stehen kann“. Doch das Interesse bewegt sich vorerst noch in eine andere Richtung weiter – Jakub Arnold „wechselt die Fronten“ und verlässt nach über 13 erfolgreichen Jahren 2008 den internationalen Vertrieb in Richtung Produktion. „Ich habe Designteams koordiniert und war für einen anderen internationalen Modekonzern für das Design in Italien und die Produktion in Asien zuständig.“ Nach zwei Jahren, in denen er vor allem „auf Flughäfen lebt“, kommt seine erste Tochter zur Welt. Für Arnold ist sofort klar: „Ich wollte sie nicht auf Skype aufwachsen sehen, sondern dabei sein.“ Der erfolgreiche Manager kündigt und sucht in Wien nach neuen Herausforderungen.

Der nächste Zufall: das erste eigene Geschäft in Neubau

Durch Zufall entdeckt er genau in dieser Zeit ein leerstehendes Geschäftslokal in der Siebensterngasse. Als er am nächsten Tag in das Haus geht, um nähere Informationen über das Geschäftslokal zu erhalten, läuft er prompt „in die Hauseigentümerin … Ich habe ihr gesagt, dass ich gerne einen Shop eröffnen will und dass das Lokal frei aussieht, und wir haben uns sofort gut verstanden – und ein halbes Jahr später, Anfang 2010, habe ich das Arnold’s hier eröffnet.“

Den ersten eigenen Betrieb beschreibt Jakub Arnold als „einen Multibrandstore mit Fokus auf Herrenbekleidung“. Er entscheidet sich für eine kleine Reihe von Marken, die zu diesem Zeitpunkt in Wien noch unterrepräsentiert oder im lokalen Handel noch gar nicht zu finden sind, „und die ich in Amsterdam, Paris, London, Berlin aber gesehen hatte und geschätzt habe“. Red Wing ist eine von drei Marken, die von Beginn an im rasch sehr erfolgreichen Geschäft angeboten werden. Kurz darauf kommt dann auch die Einladung der 1905 in Minnesota gegründeten traditionsreichen US-amerikanischen Schuh-Company, einen eigenen Spezialshop als exklusiven Franchise-Betrieb zu eröffnen. Noch ist es zu früh, und Arnold überlegt noch einige Zeit, ehe er die Einladung dann doch annimmt und ein weiteres Lokal zu suchen beginnt. Noch ist nicht klar, dass es ihn bald schon in die Lerchenfelder Straße ziehen wird.

Der dritte Zufall: neue berufliche Heimat in der Lerchenfelder Straße

Und wieder ist es ein Zufall, dass Jakub Arnold auch dieses Mal rasch das perfekte Geschäftslokal findet. Bei der Eröffnung des neuen Friseursalons von Simone Jungwirth auf der Lerchenfelder Straße 42 sieht er sich ein erstes Mal näher um und findet die Straße von Beginn an überaus sympathisch. Auch das Nguyen’s Pho House und dessen Besitzer sind ihm gut bekannt, und auch die Bäckerei Felzl gehört zu seinen Lieblingsspots ganz in der Nähe. Es passt also, sowohl von den umgebenen anderen Unternehmen wie auch von der Lage her – das neue Lokal, das Jakub Arnold 2015 auf der Lerchenfelder Straße 65, schräg gegenüber von Nguyen’s und Salon Jungwirth findet, ist in Gehweite vom Arnold’s-Store –, und so baut Jakub Arnold das Lokal mithilfe des befreundeten Industriedesignerpaares DOTTINGS geschmackvoll um und eröffnet im Oktober 2016.

„Es gibt schon sehr gute Ecken in Wien,
und das hier ist eine.“ 

Jakub Arnold

Ein „gutes Gespür“ hat der weitgereiste Unternehmer nicht nur in Modefragen – auch Arnold’s wollte er ganz bewusst nicht an der Mariahilfer Straße oder Neubaugasse gründen. „Ich habe nicht nach einer Einkaufsstraße gesucht, ich habe nach einem Lokal gesucht“, verrät der Unternehmer ein weiteres Erfolgskonzept. Es hätten auch die Innere Stadt oder die Neubaugasse werden können – geworden ist es aber die Lerchenfelder Straße, von der aus er zu Fuß in seinen ersten Laden spazieren kann. „Es gibt schon sehr gute Ecken in Wien, und das hier ist eine.“ So ist auch der Lerchenfelder „Red Wing Shoe Store Vienna“ „mittendrin“ und geht mit den Anforderungen der Zeit – und ist doch etwas Besonderes, und das nicht nur, was seine Lage, sondern auch seinen besonderen „Flair“ betrifft. Den europäischen Vertreter von Red Wing musste er dennoch erst überzeugen, schmunzelt Arnold heute in der Rückschau.

„Einkaufswelten“ als Konzept

Zum anhaltenden Erfolg seines Konzepts gefragt, verrät Jakub Arnold: „Die Menschen lieben die Einkaufswelten, die wir ihnen bieten können. Hier tauchen sie in die Einkaufswelt von Red Wing ein, eine Tür weiter in die Einkaufswelt TOMS.“
Auf die jahrelange Kooperation mit TOMS angesprochen, erzählt Arnold, dass er bereits mehrere erfolgreiche Pop-ups, unter anderen in der SCS und auf dem Wiener Karlsplatz, mit dem in Santa Monica beheimateten Sommerschuh-Hersteller, mit dessen europäischen Vertreter er bereits lange gut befreundet ist, realisiert hatte, ehe er sich entschied, an beide seiner Läden im siebten Bezirk je einen temporären TOMS-Laden anzuschließen. Beide sind bewusst nicht ganzjährig konzipiert, denn „TOMS ist ein Sommerschuh“ – doch wen sich Arnold in den Wintermonaten zu sich hereinholt, das hält er sich offen: „Da bin ich flexibel. Das ist der Vorteil, wenn man selbstständig ist: Man kann mit den Dingen und den Personen zusammenarbeiten, die man gut findet.“

„Es gibt genug Menschen, die nicht online kaufen und auch nicht online kaufen wollen. Und die schätzen eben dieses Erlebnis, das sie hier bei uns haben.“

Jakub Arnold

Im Laufe der Jahre hat Jakub Arnold ein überaus gutes und vor allem freundschaftliches Verhältnis zu allen seinen Partnern entwickelt. Dabei hat sich in den 25 Jahren, die der charmante Entrepreneur ohne Unterbrechung im Bekleidungsgewerbe in meist führenden Funktionen tätig ist, „extrem viel verändert. Es geht weg vom Multibrand, vom Einzelhandel hin zu digital, also zum Internethandel – und zu so genannten ,Einkaufswelten‘. Aber auch hin zu starken Marken und starken Konzepten.“ Vor allem ist es das Thema „Einkaufswelten“ und das damit eng verbundene „Einkaufsgefühl“, das Arnold interessiert und das einen Großteil seines eigenen Geschäftserfolgs ausmacht. „Das Einkaufen als Erlebnis.“ Und das kann „ganz vieles sein: Du kannst ein Erlebnis beim Friseur haben, in der Gastronomie – und wenn er gut ist, dann schafft auch der Einzelhandel dieses Erlebnis.“
Gerade durch das sich stark verändernde Kaufverhalten, zu dessen rasanten Veränderung nicht zuletzt auch die Covid-19-Pandemie maßgeblich beigetragen hat, ist auch ein Bereich wie der lokale Einzelhandel massiv betroffen. Das weiß auch Jakub Arnold, der sich sicher ist, dass „der Einzelhandel, wie wir ihn in den 1980er- und 1990er-Jahren gekannt haben, verschwinden wird“. Was bleiben wird, „ist die kleine, feine Nische“. Und auch das „Interessante wird, wie immer, überleben.“ Dennoch war er klug genug, seine Onlinepräsenz früh schon zu professionalisieren und ist „digital gut aufgestellt“. Doch er gesteht, zu seinen Erfahrungen in den letzten Monate befragt: „Ohne Internet gäbe es den stationären Handel nicht mehr.“
In der „kleinen, feinen Nische“ der inhabergeführten Unternehmen sieht sich auch Arnold und steht auch mit seinem Namen dafür. „Ich liebe meine Tätigkeit, die Begegnung mit Menschen, und ich bin in allen meinen Geschäften immer wieder auch zu finden. Der Massenmarkt konkurriert wesentlich mehr mit dem Internet und wird es in Zukunft auch wesentlich schwerer haben.“


Wo Sie Red Wing Shoe Store Vienna finden:

Red Wing Shoe Store Vienna
Jakub Arnold
Lerchenfelder Straße 65, 1070 Wien
Mo.-Fr., 11-19 Uhr; Sa., 11-17 Uhr
+43/(0)1/944 42 97
https://www.redwingvienna.com/

Wo Sie Jakub Arnold noch finden:

TOMS Store by Arnold’s
Lerchenfelder Straße 65, 1070 Wien
Mo.-Fr., 11-19 Uhr; Sa., 11-17 Uhr
+43/(0)660 4406647
www.arnoldsvienna.com

Arnold’s
Siebensterngasse 52, 1070 Wien
Mo.-Fr., 11-19 Uhr; Sa., 11-17 Uhr
+43/(0)1/923 13 16
www.arnoldsvienna.com

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Beruf und Berufung in der Lerchenfelder Straße: Menschen mit Pioniergeist und Vision erzählen über ihre Motivation, ihre Leidenschaft für die Josefstadt und ihre Überzeugung für Einzelhandel und Serviceleistungen im Achten.

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