Das Phönix Kino

Lerchenfelder Straße 35

Wer heute an der Lerchenfelder Straße 35 vorbeigeht und einen Blick auf das Gebäude wirft, ist immer noch beeindruckt. Das von Hans Prutscher (1873–1959) gestaltete Haus besticht bis heute durch seine Gesamtkomposition, auch wenn kaum noch etwas über den vielseitigen Architekten der Jahrhundertwende bekannt ist.

Hans Prutscher
Hans Prutscher hatte das Tischler- und Maurerhandwerk erlernt, eh er als Autodidakt zur Architektur kam und, vor allem beeinflusst durch Otto Wagner und die handwerklichen Einflüsse der Wiener Moderne, einen eigenen Stil in die Wiener Architekturlandschaft brachte, der sich in Bauten wie dem Wohnhaus in der Lerchenfelder Straße 35 („Phönix Kino“, 1912/1913), dem „Elsahof“ in der Neubaugasse 25 und dessen gleichnamigen populären Film-Café oder dem Wohnhaus in der Friedrichstraße 4 („Opern Kino“, 1913) deutlich zeigte.
Ab 1898 arbeitete er als selbstständiger Bauunternehmer, von 1911 bis knapp vor seinem Tod führte er zudem den Tischlereibetrieb seines Vaters weiter.
Vor dem Ersten Weltkrieg waren es vor allem Wohn- und Geschäftshäuser, denen Prutschers Interesse als Architekt und Innenausstatter galt, wobei ein spezieller Fokus auf der Gestaltung der „Schauseite“ der Gebäude lag, ohne je das Gesamtbild zu vergessen.
Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs konzentrierte sich Hans Prutscher vor allem auf die Gestaltung von Kirchen und Grabmälern.

Das „Phönix Kino“
Hans Prutscher spielte bei der Planung des Neubaus in der Lerchenfelder Straße 35 ab 1912 vor allem mit Formen des Jugendstils und Art déco, nutzte Fachwerk-Motive, die er in der Fassade mit urbanem Charme paraphrasierte, und er dachte von Baubeginn an den großzügigen und gediegen gestalteten Veranstaltungssaal im Souterrain des Hauses mit. Auch wenn dieser Saal, wie der österreichische Architekt und Architekturhistoriker Friedrich Achleitner zurecht feststellt, durch die folgenden „lauten“ Renovierungen leider gänzlich zerstört wurde, so erinnern die erhaltenen historischen Aufnahmen noch daran, wie stark Prutschers Gesamtkonzeption zwischen innerstädtischem Wohnen und kulturellem Leben die Gestaltung dieses Hauses einst geprägt hat.

Das gediegen gestaltete „Phönix Kino“ hatte Balkone und Logen und zählte zu den luxuriösesten Kinos der Zeit. Es konnte sich auch noch nach Kriegsende halten, doch im Zuge der zweiten großen Welle des Wiener „Kinosterbens“ musste auch dieses Prachtkino 1976 für immer schließen. Die Räume dienten nach der Kinoschließung ab 1979 einige Jahre als Diskothek, und noch heute befindet sich an der Stelle des ehemaligen Kinos eine multifunktional genutzte Club-Bar.

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